Die Energiewende wird meist über den Ausbau von Wind und Solar erzahlt. Weniger gern wird gefragt, was gleichzeitig aus
Die Energiewende wird meist über den Ausbau von Wind und Solar erzahlt. Weniger gern wird gefragt, was gleichzeitig aus dem System verschwunden ist. Deshalb einmal ein bewusst einfaches Gegentaktum: W
Die Energiewende wird meist über den Ausbau von Wind und Solar erzahlt. Weniger gern wird gefragt, was gleichzeitig aus dem System verschwunden ist. Deshalb einmal ein bewusst einfaches Gegentaktum: Was wäre, wenn die deutsche AKW-Flotte des Jahres 2000 weitergelaufen wäre - bei derselben heutigen Last und derselben tatsächlichen EE-Erzeugung?
Die Rechnung ersetzt dabei keine Erneuerbaren. Zusatzliche Kernenergie verdrängt zuerst Kohle, danach Gas. Für den Zeitraum Januar 2015 bis Oktober 2026 ergibt sich rechnerisch: 1.996 TWh Kernenergie 1.356 TWh weniger fossile Erzeugung davon rund 1.151 TWh Kohle und 189 TWh Gas.
Auch die zeitliche Bilanz verändert sich: Die aufsummierte Unterdeckung gegenüber der Last sinkt in diesem Szenario von 180,5 auf 161,7 TWh. Gleichzeitig steigt der Überschuss von 452,9 auf 527,0 TWh. Das Ergebnis ist keine Simulation eines realen Strommarktes. Es berücksichtigt weder Kraftwerkseinsatz nach Preisen noch Netze, Importe, Brennstoffkosten oder tatsächliche Wartungsentscheidungen. Aber genau deshalb ist die Rechnung interessant: Sie isoliert eine einzige Frage.
Was passiert, wenn man die tatsächlich gewachsene erneuerbare Erzeugung nicht gegen Kernenergie ausspielt, sondern beides zusammen betrachtet?
Dann zeigt sich: Ein großer Teil der fossilen Erzeugung hätte rechnerisch gar nicht benötigt werden müssen.
Der deutsche Umbau bestand eben nicht nur darin, Wind und Solar aufzubauen. Gleichzeitig wurde auch eine große CO2-arme, steuerbare Erzeugungsquelle aus dem System genommen.
Man kann diesen politischen Weg für richtig oder falsch halten. Nur sollte man die Folgen vollständig bilanzieren.
Der Ausbau der Erneuerbaren und der Atomausstieg waren zwei verschiedene Entscheidungen.
Die eine hat COz-arme Erzeugung hinzugefügt. Die andere hat COz-arme Erzeugung entfernt.
Und die interessante Frage ist deshalb nicht nur, wie viel erneuerbarer Strom heute erzeugt wird. Sondern auch, wie viel Kohle und Gas Deutschland möglicherweise nicht hätte erzeugen müssen, wenn beides parallel weitergelaufen wäre.
Deutschland • Szenario: AKW-Flotte von 2000
Autor: @Olaf Kriemann
Die IZW dankt @Olaf Kriemann herzlich für diese aufschlussreiche Analyse und seinen wertvollen Beitrag zu einer faktenbasierten Energiedebatte.
Die vollständige Analyse von Olaf Kriemann finden Sie hier im Originalbeitrag: 👇 https://lnkd.in/p/eJrKHBcR