Kernaussage des Berichts
Kernaussage des Berichts Europas Übertragungsnetz steht vor einem beispiellosen Investitions- und Lieferketten-Engpass. Drei Treiber treffen gleichzeitig in denselben Jahren \(vor allem 2028–2032\) a
Kernaussage des Berichts
Europas Übertragungsnetz steht vor einem beispiellosen Investitions- und Lieferketten-Engpass. Drei Treiber treffen gleichzeitig in denselben Jahren (vor allem 2028–2032) auf dieselbe begrenzte Produktions- und Fachkräftekapazität:
- Energiewende (massive HVDC-Korridore, Seekabel, Erdkabel, Netzverstärkung für Wind/Solar und Grenzkuppelstellen)
- SF₆-Ausstieg nach der EU-Verordnung 2024/573 (zwingt zu SF₆-freier Schalttechnik, die noch nicht in ausreichender Menge und Reife verfügbar ist)
- Altersbedingter Ersatz von Anlagen aus den 1980er/1990er Jahren
Das Ergebnis: Eine Nachfragewelle, die die europäische Lieferkette in mehreren kritischen Produktgruppen überfordert.
Die kritischsten Engpässe
- HVDC-Kabel (Erd- und Seekabel)
Dies ist laut Bericht der engste Flaschenhals. Europäische Hersteller sind bereits bis 2030 weitgehend ausgebucht. Es fehlen gleichzeitig: • Fabrikkapazität • Rohstoffe • Kabelverlegeschiffe • Hafeninfrastruktur • Installationspersonal
- HGÜ-Umrichterstationen
119 neue bipolare Stationen. Jede ist ein Langfristprojekt (Umrichtertransformatoren haben 4–5 Jahre Lieferzeit, teilweise über 7 Jahre). Projekte, die 2028–2030 in Betrieb gehen sollen, müssten bereits jetzt weitgehend bestellt sein.
- Leistungstransformatoren
+2.820 Stück. Deutschland allein trägt ca. 30 % der Nachfrage. Lieferzeiten sind schon jetzt kritisch.
- SF₆-freie Schalttechnik
Extrem steiler Hochlauf bei noch unreifen und kapazitätsmäßig unzureichenden Produkten.
Parallel müssen noch massenhaft SF₆-Geräte (über 10.800 Leistungsschalter + 2.884 GIS-Felder) beschafft werden – die Lieferkette muss also zwei Technologien gleichzeitig bedienen.
- Fachkräfte
9 von 12 befragten TSOs sehen den Fachkräftemangel als zentrales Problem – besonders bei Ingenieuren, IT und dem Baustellenpersonal (das stark über Subunternehmer läuft).
Deutschland-spezifisch
Deutschland taucht im Bericht mehrfach als Nachfrageschwergewicht auf:
• ca. 69 % der geplanten HTLS-Leiterseile • sehr hoher Anteil bei unterirdischen DC-Kabeln (in manchen Kategorien über 80 %)
Die Netzplanung läuft den politischen Ausbauzielen hinterher – und die Lieferketten laufen der Netzplanung hinterher.
Was der Bericht bewusst sagt und was er nicht sagt
• Die Zahlen sind Untergrenzen (13 TSOs haben nicht geantwortet). • Die wirklichen Engpässe sitzen oft bei Vorprodukten (kornorientiertes Elektroblech, Kupfer, Bushings, Leistungselektronik etc.), die der Survey gar nicht erfasst hat. • ENTSO-E selbst beschreibt die gesamte Grid-Lieferkette als „quite fragile“.
Realität! Nicht jammern…
Quelle: https://lnkd.in/eA4rZsDC
Autor: @Martin Juros